14. Katastrophenschutzkongress, 26./27.06.2018 in Berlin

Katastrophenschutz hat sich bisher im wesentlichen darauf beschränkt, das persönliche Habe, die Wirtschaft und Infrastruktur sowie die Umwelt des jeweils eigenen Landes zu schützen. Die Forderungen der NATO, aber auch des Weißbuchs 2016 und der Konzeption zur zivilen Sicherheit zielen jedoch auf die gemeinsame Sicherheit der EU. Letztendlich bedeutet dies, die jeweiligen Kapazitäten in einen Pool einfließen zu lassen, da Katastrophen eben nicht an geographischen Grenzen Halt machen. Es sollte dabei jedoch deutlich zwischen einer weltweiten humanitären und der Katastrophenhilfe getrennt werden. Herausgehoben wurde bei einigen Rednern, dass bei allen Überlegungen vorbeugende Maßnahmen den Vorrang vor wiederherstellenden Leistungen (prevention & cure) haben sollten.

Im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern ist in Deutschland die Hilfe dezentral und föderal organisiert, wobei das in seiner Professionalität und Qualität weltweit einzigartige Ehrenamt unverzichtbar ist. Dies wird nach allgemeiner Einschätzung durch die derzeitigen Zentralisierungsbestrebungen der EU gefährdet. Dr. Johannes Richert (DRK) wies insbesondere darauf hin, dass es zwar Sinn macht, Ressourcen zu bündeln, aber die von NATO und BMVg angestrebte gesellschaftliche Resilienz nur durch eine aktive Partizipation der Bevölkerung entsteht. Dabei sollten, laut KZV, das Wissen über relevanten Risiken, die Möglichkeiten und Grenzen staatlicher Leistungsfähigkeit sowie die notwendigen Selbstschutz- und Selbsthilfefähigkeiten vorausgesetzt werden können. Die bewusst offene Ansprache von Gefährdungen und Risiken innerhalb der hochkarätig besetzten Panels führte zu einer vielfach geteilten Forderung aus dem Plenum, das Spannungsfeld zwischen tatsächlichen (und nötigen) Maßnahmen und dem Wissen in der Bevölkerung darüber aufzulösen.

Katharina Gerlach (BBK) wies darauf hin, dass beispielsweise die Arbeit der BBK, aber auch die Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet (bestes Beispiel die Bundeswehruniversität in München) zu wenig bekannt sind und stellte in Bezug auf unsere Gesellschaft fest: „Wir haben kein Bewusstsein, wir sind nicht sensibilisiert für Gefahrensituationen.“ Im Gegensatz zur offenen Thematisierung anderer Staaten hinkt Deutschland bei den Bemühungen einer breiteren Aufklärung über das Verhalten in Kriegs- und Krisensituationen Nachbarländern wie Schweden, Österreich oder auch der Schweiz hinterher. Eine zweifelsohne politisch gewollte oder zumindest tolerierte Situation. Und so endete der erste Tag mit einer von allen Beteiligten – so auch von Andrea Lindholz (MdB) – geteilten Aufforderung, den dringend benötigten politischen und gesellschaftlichen Diskurs über diese Themen wieder in Gang zu setzen.