RAC 3.0 Abschlussbericht

Am späten Freitagnachmittag war es endlich soweit, wir versammelten uns alle auf einem Gelände in NRW. Nachdem wir uns begrüßt hatten wurden wir in den Seminarraum gerufen. Es begann eine kurze Vorstellungsrunde, bei der sowohl die Ausbilder als auch die Teilnehmer ein paar Worte sagten. Wir waren eine international gemischte  Truppe von 16 Teilnehmern, teils mit militärischem oder polizeilichem Hintergrund, teils komplett ohne Vorerfahrungen. Wir wurden in zwei Gruppen eingeteilt und schon begann das Event. 

Um das Ganze etwas realistischer zu gestalten, bekamen wir eine Lage präsentiert, ein fiktives Szenario, welches uns die Rahmenbedingungen für die nächsten Tage vorgab. Die verschiedenen Abteilungen von UNITER wurden mit in die Lage eingebunden. Ein Gruppenführer samt Stellvertreter wurde bestimmt und wiesen den Gruppenmitgliedern, entsprechend ihrer Vorerfahrungen, eine Position in den Abteilungen zu.

Im Anschluss erfolgte eine kurze Grundlagenausbildung in den Bereichen „Karte & Kompass“, „Bewegen im Gelände“ sowie „Erste Hilfe bei stark blutenden Wunden“. 

UNITER bietet im Bereich der Ersten Hilfe darüber hinaus einen kostenlosen „Stop the Bleed“ Workshop für jedermann an, bei dem die angesprochenen Punkte vertieft werden. 

Nachdem wir dann auch direkt durch etwas körperliche Ertüchtigung ins Schwitzen gebracht wurden, mussten wir bei der Beantwortung einiger Testfragen das vorher Gelernte abrufen. Es folgte der vorerst ruhigere Teil des Abends bei dem wir verpflegen, trinken und ein kleines bisschen netzwerken durften. 

Zügig ging es dann aber weiter mit einer Ausrüstungskontrolle auf Vollzähligkeit sowie dem voll aufgerödelten Antreten vor dem Gebäude mit dem Hinweis, dass es nun richtig losgehe. Gemäß der Lage durften kurz darauf mit einer kleinen Gruppe ausrücken, um im Gelände zwei unhandliche Kisten in Empfang zu nehmen. Nach einer kurzen Nacht und mit den beiden Kisten im Schlepptau ging es raus in die kühle Dämmerung. Die ausgegebenen Koordinaten führten uns Richtung Norden, um den ersten Punkt im Gelände anzusteuern. Es folgten noch weitere Geländepunkte, die ein genaues Navigieren voraussetzten. 

Unsere 15-20 kg schweren Rucksäcke, gepaart mit den uns ständig begleitenden Kisten, ließen sich hier noch ganz gut tragen, obwohl es meist bergauf ging. Die Kisten wurden aber schnell unhandlich und so entschlossen wir uns, eine alternative Tragemethode zu bauen. Unsere Version war, so stellte es sich bald heraus, zum Glück auch für schmale Wege  geeignet und wir konnten zügig auch durch unwegsames Gelände manövrieren. Die Träger der Kisten wechselten sich regelmäßig ab und die körperlich schwächeren Kameraden wurden tatkräftig unterstützt. 

Dies war eine von vielen Aufgaben, die unsere Gruppe stark zusammenwachsen ließ. Irgendwann kamen wir an einem Aussichtspunkt an und nach ein paar Übungen konnten wir eine der Kisten geöffnet zurücklassen. Ab jetzt wurde das Tragen der verbleibenden Kiste gruppenübergreifend geteilt, wobei die beiden Gruppen zusammenwuchsen, da ein permanenter Austausch unerlässlich war. Aus zwei Gruppen wurde eine und das Durchhaltevermögen wurde durch  die veränderte Größe stärker. 

Jeder unterstütze nun jeden, damit wir, getreu dem Motto „UNITER – In eins verbunden“, als gesamtes Team ankommen konnten. 

Der angekündigte Regen blieb zum Glück aus, was sich stark bemerkbar machte; die Moral der Gruppe blieb oben. Bei den anstrengenden Aufstiegen auf diverse Berge kamen dann allerdings einige auch an ihre physischen und psychischen Grenzen. Die Gruppe fing dies jedoch hervorragend auf und wir marschierten als Einheit weiter. 

Kurzen Stationsausbildungen wie Gewässerüberquerungen, Sporteinheiten und Streckenabschnitten mit zusätzlichem Gewicht durch kleine und größere Baumstämme trotzten wir gemeinsam und jeder gab sein Bestes!

Die wechselnden Gruppenführer und deren Stellvertreter navigierten uns gut und sorgten mit Ansagen immer wieder für das Einhalten der Formation und die Stärkung des Teamgeistes. Nach Kontaktaufnahme mit unserem Informanten ging es erneut bergauf. 

Wir motivierten uns gegenseitig, feuerten uns an mit „Höhenmeter – GEIL“ und gaben alles. Erschöpft vom Aufstieg konnten wir in dem angrenzenden Waldstück in der Abenddämmerung ein Lager errichten und uns zum ersten Mal für eine längere Zeit ausruhen. Das kleine errichtete Feuer spendete Wärme sowie Licht in der Dunkelheit und sorgte für einen weiteren Motivationsschub. Wir ahnten, dass die Nacht nicht zum Ausschlafen genutzt werden konnte und sollten Recht behalten – in der Dunkelheit ging es plötzlich ganz schnell: „Zusammenpacken, Marschbereitschaft herstellen, wir verlegen zurück zu unserem Startpunkt!“. Manche jäh aus ihren Träumen gerissen, andere, als Feuerwache oder Alarmposten eingeteilt, bereits wach, machten wir uns bereit, um gemeinsam die nächsten Kilometer zu gehen. 

Jetzt hieß es noch einmal Zähne zusammenbeißen und Schmerzen ignorieren. Angetrieben vom eigenen Willen und der Unterstützung der Kameraden, mobilisierten wir die letzten Kraftreserven und waren bereit, die verbleibenden Kilometer zurückzulegen. Wir hatten die Route zum Glück bereits vorher auf der Karte ausgekundschaftet und konnten ihr in der Dunkelheit gut folgen. Als wir durch eine kleine Ortschaft kamen, war es nicht mehr weit. Den letzten Kilometer ging es nochmal leicht bergauf und an Feldern vorbei, kurz bevor wir dann am Gelände ankamen.

Wir wechselten in den Laufschritt, gaben nochmal alles, schrien uns die Seele aus dem Leib und rannten die Steigung hinauf, wo wir von den übrigen Ausbildern in Empfang genommen wurden. 

Allen war die Erschöpfung und gleichzeitige Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Ein letztes Mal aufstellen, danach konnten wir endlich die Rucksäcke ablegen und uns ein Belohnungsbier gönnen. Alle beglückwünschten sich gegenseitig zu ihrer Leistung. 

Aus Fremden wurden in den drei Tagen Freunde und Kameraden, aus allen wurde ein Team.

Zum Abschluss gab es dann noch eine feierliche Verleihung der Wolfsabzeichen und persönliche Worte zu der Leistung eines jeden Einzelnen. Der Wolf als Figur des Einzelkämpfers, der seine volle Leistung aber erst im Rudel erreicht, ist ein passendes Symbol für den Sinn des RACs und spiegelt das Motto von UNITER „In eins verbunden“ wieder. 

Drei harte Tage liegen hinter uns. Jeder hat sich selbst neu kennengelernt, Grenzen überwunden, bewiesen, dass allein der Wille zählt und neue Freundschaften geschlossen.

Ein Teambuilding, das über die Grenzen ähnlicher Veranstaltungen hinausgeht. 

UNITER – in eins verbunden!