Run – Hide – Fight – oder: wie man Desaster aller Art managt

UNITER Mitglieder schulen sich in der Erkennung und Abwehr von Gefahren.

Sonntag, 0600B : Wer – es sei denn, er hat kleine Kinder – steht um diese Zeit auf? Noch dazu, wenn er unter der Woche ohnehin eine Stunde früher das warme Bett verlassen muss… Darauf kann es nur eine Antwort geben: UNITER ruft – die Mitglieder kommen.
Das UNITER-Kurspaket aus „Run-Hide-Fight“ und „Desaster Management“ fand dieses Mal im Distrikt Süd statt und hat die Teilnehmer aus allen Himmelsrichtungen in Stuttgarts Westen geführt. München, Memmingen, Karlsruhe – kein Weg ist zu weit, um sich weiterzubilden, die neuesten UNITER-Nachrichten zu bekommen und vor allem, um sich persönlich kennen- und schätzen zu lernen.

Die Ausbilder: eigens aus Nordrhein-Westfalen und dem Raum München angereist. Die Ausbildungsgruppe: bunt gemischt. Männer und eine Frau, aus verschiedenen Berufen, mit verschiedenen Vorerfahrungen aus Militär, Kampfsport, Medizin, Schießsport, Jagdwesen und einfach Lebenserfahrung, einer nicht zu unterschätzenden Qualifikation. Aber alle haben eines gemeinsam: sie sind UNITER-Mitglieder bzw. Anwärter und sie wollen lernen, besser werden, die Ziele von UNITER unterstützen.

(Black Ops) Kaffee, Kekse, eine angenehme Lernumgebung, motivierte Ausbilder und Teilnehmer. Es kann losgehen! Aber zuerst noch die Aufnahme eines neuen Mitglieds, dem Urkunde und Mitgliedsausweis ausgehändigt werden. Händegeklapper. Aber jetzt…!

+++ Run – Hide – Fight +++
Es sind nicht nur die zunehmenden Medienberichte über Amokläufe, Attentate, Gewalttaten, Messerstecher, Clan-Auseinandersetzungen, Angriffe auf Rettungskräfte – es ist dieses unbestimmte oder sogar tatsächlich erlebte Gefühl der Unsicherheit, das viele Menschen dazu treibt, nicht ausschließlich darauf zu hoffen, dass es einen selbst schon nicht treffen oder der Staat sein unbestrittenes Gewaltmonopol wahrnehmen wird. Wer sich unsicher fühlt, steckt entweder seinen Kopf in den Sand oder ergreift die Initiative. Der Kurs erklärt vor allem, wie man potenziell gefährliche Situationen vermeidet, erkennt und bewältigt. Aber nicht immer hat man das Heft des Handelns in der Hand, manchmal muss man einfach richtig reagieren.

Aber wie soll man diesem unbestimmten Gefühl der Bedrohung begegnen? Wie soll man die „Lage“ feststellen, Bedrohungen erkennen? Welche (realistischen) Möglichkeiten hat man überhaupt, um unbeschadet aus der gefährlichen Situation zu entkommen?
Der Run – Hide – Fight-Kurs hat nicht nur theoretische, wenn auch aus der Praxis von Praktikern entwickelte Antworten auf diese drängenden Fragen, sondern auch praktische Anteile, denn letztlich lernt man etwas viel einfacher, wenn man es auch tatsächlich selbst ausgeübt hat. So fanden sich die Teilnehmer des Kurses nach den einleitenden Powerpoint-Folien mit Fallbeispielen, Handlungsanleitungen und Hintergrundinformationen dann auf dem Rücken ihrer Kameraden im Gamstragegriff, bedroht durch Messer und Pistole oder in einem wüsten Handgemenge nach Eindringen eines Amokläufers auf dem Boden wieder. Unter professioneller Anleitung, versteht sich, immer mit dem Gedanken an tatsächliche Szenarien im Hinterkopf, aber auch mit Spaß an der Ausbildung und Humor. Und die Anregung des Kreislaufs, wenn man seine Mitstreiter birgt, trägt oder abwehrt, ist eine willkommene Abwechslung zu Powerpoint-Vorträgen, seien sie auch noch so interessant, erschreckend und mit persönlichen Erfahrungen gespickt.
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

In der Fliegerei gibt es eine einfache Regel, die in allen Notsituationen gilt: maintain control – analyze the situation – take proper action. 
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Nach vier Stunden voller Information, Aktivität, neuer Einsichten und neuer Fertigkeiten endet der Kurs mit der Übergabe der Teilnahmebestätigungen.

+++ Desaster Management +++
Die Reihen lichten sich ein wenig – einige Mitglieder haben schon früher an diesem Kurs teilgenommen. Aber der gewonnene Platz wird auch gebraucht: Gezeigt wird eine komplette Notfallausrüstung. Was in zwei Rucksäcke verpackt noch überschaubar aussieht, gestaltet sich nach dem Auspacken dann doch eher wie der Spind eines Soldaten nach einem misslungenen Stubendurchgang oder der Handgranatenwurfstand auf dem Schießplatz: unglaublich, was da alles reinpasst. Noch unglaublicher, was man alles braucht! Wasserfilter, Rettungsdecke, Schlafsack, Nägel, Seil – viele Dinge hat man schon, na klar. Aber wo? Und viele Dinge fehlen auch noch. Zum Beispiel ein Plan, damit man im Fall der Fälle nicht lange sucht oder wie ein kopfloses Huhn über den Hühnerhof rennt.
„Aus der Praxis – für die Praxis“ zeigt und erklärt der Ausbilder seine persönlichen Lösungen für die Herausforderungen von Natur- und anderen Gewalten. Der Aluhut bleibt daheim, denn die Szenarien sind keineswegs an den Haaren herbeigezogen.

Spätestens seit Erscheinen des Buchs „Blackout“ von Marc Elsberg, das übrigens auf einer sehr aussagekräftigen und validen Studie beruht, hat man eine Ahnung, wie fragil unsere Energieversorgung ist, insbesondere seit der Energiewende. Die Natur synchronisiert nun mal ihre Vorgänge nicht zwingend mit dem Energiebedarf der Menschen und der Industrien. Aber auch Wetterphänomene oder gesellschaftliche Fehlentwicklungen halten Herausforderungen bereit. „Better be prepared“ ist denn auch das Credo.
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Wie überlebt man ohne die zahlreichen Annehmlichkeiten des modernen Lebens? Wasser – Strom – Heizung…
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
In erneut vier Stunden wird deutlich aufgezeigt, welche Gefahren der modernen Gesellschaft drohen, wie man sie erkennt, welchen Beitrag UNITER dazu leisten kann und wie man sich selbst am besten vorbereitet, denn im Ernstfall bleiben hierzu weder Zeit noch Gelegenheit. Wie schnell solche Lagen eintreten können, sieht man nicht nur in der eingangs beschriebenen Literatur, sondern auch bei Betrachtung der geopolitischen Lage. Schon wenige hundert Kilometer entfernt gibt es noch stärker ausufernde Gewalt auf den Straßen, Bedrohung durch äußere Aggressoren, Terroranschläge in noch weit größerem Ausmaß, als wir es in Deutschland bislang erleben mussten. In manchen Urlaubsregionen ist die Lage alles andere als stabil, was die Touristen dennoch nicht davon abhält, dort in „Gated Hotels“ und Ferienanlagen Urlaub zu machen. Und der Aggressor hat das Überraschungsmoment auf seiner Seite.

Der Staat trifft zwar Vorsorge, aber bis die Hilfe wirksam wird, kann wertvolle Zeit verrinnen, in der das eigene Leben oder das der Familie auf dem Spiel stehen kann. Daher wurde vom Innenministerium vor gar nicht langer Zeit empfohlen, Vorräte anzulegen. Aber was ist mit Trinkwasser? Was brauche ich unbedingt, wenn eine Flutwelle mein Haus zu überschwemmen droht? Wie bewahre ich meine Familie vor Kälte, Hitze, Sonne, Dehydrierung, Hunger, Krankheit? Auch hier kann man dem Kölschen Wahlspruch folgen: „Et hätt noch immer jot jejange….“ (für nicht-Kölner: Es ist noch immer gut gegangen.) Ist es auch. Für die, die überlebt haben. Und die anderen sind meist schnell vergessen. Zu welcher Gruppe will man gehören?

Der Desaster-Management-Kurs hat die Antworten und hinterlässt die Teilnehmer nachdenklich, mit neuen Ideen und Optionen, auf jeden Fall aber mit der notwendigen „Situational Awareness“, sich auf mögliche Gefahren besser vorzubereiten.

Sonntag, 2000B: Wieder zuhause. Nachdenklich, ein wenig erschrocken, mit vielen neuen Plänen und Ideen. Und wieder einen Schritt weiter, dank der Hilfe von UNITER.