Zum Nordkap „PTBS * NICHT WEGSEHEN!“ Tour 2018

Nordkap Tour 2018

Oft werden wir gefragt, was das Besondere an UNITER ist. Wir haben viele Antworten darauf, aber schlussendlich führt alles zurück auf die gegenseitige Unterstützung und damit gelebte Kameradschaft.

Mitglieder aus vielen Regionen machen es sich schon zur Aufgabe diese Werte in die Welt hinaus zu tragen. Dabei entstehen nicht nur einzigartige Momente, sondern vor allem Fussabdrücke, Spuren denen man folgen kann. Auf etwas aufmerksam zu machen, ist der erste Schritt zur Verbesserung des Verständnisses, was wiederum die Basis für grossartige Projekte und Taten bildet.

Nicht wegsehen, einander Gehör schenken und sich gegenseitig unterstützen. Genau das sind die Voraussetzungen um etwas zu ändern. Nicht für uns, sondern für alle! PTBS ~ Betroffene, die sich gefangen in ihren Gedanken fühlen, benötigen kein Mitleid. Sie benötigen Kameraden, Freunde und neue Erlebnisse, die sie über sich hinauswachsen lassen. Betroffene helfen sehr oft anderen in jeder Hinsicht, nehmen aber nur selten Hilfe von anderen an. Nicht weil sie diese Hilfe nicht möchten, sondern weil eine Diagnose immer noch zu häufig totgeschwiegen wird, aus Sorge ausgeschlossen zu werden.

Genau das war der Grund dieser Tour. Menschen zu zeigen, die mit Herz und Engagement darauf aufmerksam machen und um nicht vergessen zu werden. Menschen wie wir. Wer seinem Gegenüber genau zuhört, wird ihnen eine Hilfe sein.

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Oft sitze ich hier und blicke in die Ferne. Ich versuche den Kopf freizubekommen und mein Erlebtes zu ordnen. Ich fühle mich oft gefangen und eingeschränkt in meinem Handeln. Die Auslöser sind sehr unterschiedlich, aber in der darauffolgenden Gefangenschaft meiner Gedanken sind sie schlussendlich doch alle gleich. Es ist mein Hund der merkt, dass ich jetzt jemanden um mich herum brauche. Ohne ihn wäre alles noch viel schwieriger, aber er ist derjenige, der mir zuhört und an meiner Seite verweilt. Die Welt zu entdecken, raus aus meinem Alltag, das sind die Momente, in denen ich für einige Zeit frei sein kann. Es ist das Fernweh das mich treibt und mir meine Situation nicht gerade erleichtert. Dieser entfesselte trieb sich frei bewegen zu können, keinem Rechenschaft abzulegen zu müssen und sich auf seinen eigenen Pfad zu begeben. Das sind stetige Begleiter an jedem Tag der Gefangenschaft. Ich schaffe neue Erlebnisse, nicht um die alten zu vergessen, sondern mit dem Ziel sie positiv zu überwiegen.

 

Ich war schon mal am Nordkap. August 2017, herrliches Gefühl, so viel unberührte Natur und das Gefühl in der Abgeschiedenheit einen Freund der Ruhe gefunden zu haben. Ich denke gerne daran zurück, aber jetzt ist es an der Zeit das Ganze noch mal zu wagen. Im Winter, in der Zeit der Polarlichter und der eisigen Kälte. Es ist Zeit die Komfortzone zu verlassen und etwas über mich selbst zu erfahren. Das war der Ursprung meiner Idee und zusammen mit meinen Kameraden und Freunden von UNITER haben wir eine einzigartige Reise geplant.

 

«Kameradschaft in der Abgeschiedenheit
dieser atemberaubenden Landschaft»

 

Genau das, was ich jetzt brauche! Sogar Sponsoren hatten unsere Tour unterstützt. CARINTHIA und die Kameraden von BLACK OPS COFFEE unterstützen diese Tour mit hochwertiger Kleidung und ausgezeichnetem Kaffee. Nach einiger Planungszeit und einigen Rückschlägen mancher Mitglieder (familiärer Art und  Fahrzeugausfall), war der Tag der Abreise gekommen. 2 Mann und unser treuer Wegbegleiter Dante, ein 9 Monate alter Leonberger, setzen sich in Bewegung. Nun ging es wirklich los und wir spürten endlich diese lang ersehnte Erleichterung. Der Kopf war wieder frei und der lange Weg definierte unser Ziel. Natürlich lagen vor uns lange und ungemütliche Autofahrten, aber selbst mit diesen Umständen war es die gewonnene Kameradschaft und die Freiheit dieser Tour, die alles andere in den Hintergrund rücken ließ.

 

Wir waren also unterwegs zum nördlichsten Stückchen Land Norwegens. Dem Nordkap! Das Schauspiel, das die Natur für einen auf dieser Tour bereithält, war atemberaubend. Von angenehmen Temperaturen mit klarem Blick im Süden Skandinaviens, direkt in eine Schneelandschaft bei -20 Grad in Norwegen. Bei diesen Temperaturen war schon teilweise Improvisation angesagt, insbesondere für den Wärmeerhalt in unserem VW Crafter. Mit Brennern, die wir auch zum Kochen nutzten, haben wir uns die Nächte etwas erwärmen können und gefrorene Scheiben haben uns zeitweise an die Grenzen der Fahrbereitschaft gebracht. Die extreme Witterung und die damit verbundenen Straßenverhältnisse, machten es praktisch unmöglich den Motor richtig auf Touren zu bringen. Aber genau diese Situationen machen aus einer gemeinsamen Tour etwas Unvergessliches. Man lernt sich und seine eigenen Fähigkeiten besser kennen und lernt sich als Team auf engstem Raum zu arrangieren. Kameradschaft erleben, statt davon zu reden. Die Reise bot natürlich einige schöne Augenblicke, aber alle zu nennen würde den Rahmen sprengen und wir glauben, dass die beigefügten Fotos die Lücken unseres Berichtes auffüllen.

 

Am Ende unserer Tour angekommen, dem Nordkap, hatten wir das unbeschreibliche Glück allein zu sein. Wir konnten für uns allein alle Emotionen zeigen und auch genießen. Das Schauspiel der Polarlichter ist ein unbeschreibliches Erlebnis, aber sie beschreiben auch unsere Tour ganz gut.

 

«Rastlos und lautlos wandern die prägendsten Momente
in all ihrer Schönheit weiter und hinterlassen nichts, ausser die Erfahrung»

 

Das Fernweh trieb uns an Leistungsgrenzen überwinden, uns aus unserem gedanklichen Gefängnis befreien und uns etwas seelischen Frieden bringen –

 

Bis zur nächsten Tour!